Mitarbeitergespräche neu gedacht: Unser Weg-Gespräch

Das Weg-Gespräch ist unser neues Format für Mitarbeitergespräche. Statt klassischer Einzelgespräche setzen wir auf Spaziergänge in Vierergruppen. Fernab formeller Strukturen, entstehen offene Gespräche auf Augenhöhe.

Im Beitrag Kollegiale Führung haben wir darüber gesprochen, dass wir ein neues Format für die Mitarbeitergespräche geschaffen haben und dieses nun zum ersten Mal durchgeführt haben. Das klassische Mitarbeitergespräch zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem passt nicht mehr zu den Werten von WEGTREU. Wir haben keine klassische Hierarchie mehr, sondern setzen auf kollegiale Ansätze, bei denen sich die Organisation über einen offenen Austausch steuert. Wenn schon umkrempeln, dann gleich richtig. Meist finden Mitarbeitergespräche im Sitzungszimmer statt. Sie sind strukturiert, formell – und nicht selten auch wenig inspirierend. Das machen wir anders.

Ein- bis zweimal pro Jahr treffen wir uns in ausgelosten, bewusst durchmischten (Sachbearbeiter, Mandatsleiter, Lernende) Vierergruppen zu einem gemeinsamen Spaziergang. Nach einer kurzen Check-in-Runde steht bei jedem Halt (jedem „Bänkli“) jeweils eine Person im Fokus und erhält Raum für Austausch und Feedback. Der Fokus liegt nicht auf Leistungskennzahlen, sondern auf persönlicher Entwicklung, gegenseitiger Wertschätzung und konstruktivem Feedback. Das Format fördert Selbstreflexion, stärkt die Kommunikation im Team und ermöglicht Perspektiven, die in hierarchischen Gesprächsformen oft verlorengehen.

Dabei sagen wir unseren Weggefährtinnen und Weggefährten bewusst, was wir an ihnen als Person schätzen und was sie in Bezug auf die Arbeit besonders gut können. Gleichzeitig geben wir einander konstruktives Feedback zu Verbesserungspotenzialen und dazu, wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Das alles geschieht nicht von oben nach unten, sondern auf Augenhöhe und in wechselnden Konstellationen.

Was sind die Vorteile?

Kurz gesagt: mehr Tiefe, mehr Offenheit, mehr Miteinander. Von der Vorbereitung bis zur Durchführung wurde uns deutlich, welche positiven Effekte dieses Format mit sich bringt.

  • Persönlicher Austausch: Durch heterogene Konstellationen entstehen neue, andere Sichtweisen. Man setzt sich intensiver mit Kolleginnen und Kollegen auseinander – individuell, persönlich und wertschätzend.
  • Raum für Selbstreflexion: Das Weg-Gespräch regt an, nicht nur über andere, sondern auch über sich selbst nachzudenken.
  • Stärkung der Kommunikation: Man lernt einander besser kennen, auch abseits des Arbeitsalltags.
  • Andere Atmosphäre: Natur, Bewegung und frische Luft sorgen für neue Gedanken und laden gleichzeitig die Batterien wieder auf.
  • Mehr Offenheit: Themen, die in klassischen Mitarbeitergesprächen, vor allem in Anwesenheit von Vorgesetzten, oft keinen Platz finden, kommen zur Sprache. Aufgrund der Gruppengrösse wird niemand übergangen.
  • Feedback-Kultur: Feedback geben wird eingefordert und gelebt, nicht umgangen.
  • Wertschätzung im Team: Sich bewusst mit Teamkollegen auseinanderzusetzen stärkt das Wir-Gefühl.

Was sind die Herausforderungen?

Selbstverständlich bringt ein neues Format auch Herausforderungen mit sich:

  • Zeitaufwand: Aufgrund der Vorbereitung und des Spaziergangs nimmt ein solches Weg-Gespräch mehr Zeit in Anspruch als ein klassisches Mitarbeitergespräch.
  • Weniger Detailtiefe zur fachlichen Arbeit: Nicht alle Teilnehmenden kennen die täglichen Aufgaben der anderen im Detail. Aufgrund ähnlicher Rollen gibt es manchmal auch weniger Berührungspunkte bei der konkreten Arbeit. Der Fokus liegt entsprechend stärker auf der Persönlichkeit.
  • Rollen- und erfahrungsübergreifendes Feedback: Es kann für Lernende oder weniger erfahrene Mitarbeitende herausfordernd sein, Kolleginnen oder Kollegen mit mehr Erfahrung oder Verantwortung offenes Feedback zu geben.

Unser neuer Weg für Mitarbeitergespräche –
ein Rückblick

Der Austausch war offen, persönlich und von echter Wertschätzung geprägt. In Bewegung und fernab des Sitzungszimmers entstanden Gespräche mit Tiefe. Es entstanden Gespräche, die Raum für Themen schufen, die sonst oft unausgesprochen bleiben. Wir haben unsere Weggefährten besser kennengelernt und den Blick nach innen geschärft.

Ja, das Format ist zeitaufwendiger und rückt fachliche Details in den Hintergrund. Doch genau darin sehen wir die Stärken: Es stärkt die Kommunikation, stellt den Menschen in den Mittelpunkt und fördert eine Feedback-Kultur, von der wir im Arbeitsalltag profitieren können.

Für uns steht fest: Das Weg-Gespräch ist kein Experiment mehr, sondern der neue Standard für unsere gemeinsame, nachhaltige Entwicklung. Eine Entwicklung, die im Dialog entsteht. Und eine Entwicklung, die manchmal ganz einfach mit einem gemeinsamen Spaziergang beginnt.